Klarnamenfetischismus.

Citizenfour, brokep, rms, Rocky Clark, Satoshi Nakamoto. Jene die das Internet zu dem machten was es heute ist, schmückten sich gerne mit Namen, die von denen in ihren Pässen abwichen. Alle von ihnen hatten gute Gründe dafür und kein Mensch würde sie heute dafür verurteilen. Doch alle paar Jahre meinen (meist) Herren in priveligierten Positionen jene herabwürdigen zu müssen die sich eine Internetexistenz, abseits des Namens gewählt haben, unter welchem sie offline bekannt sind. So geschehen auch heute wieder:

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Blocken aufgrund von inhaltlichen Differenzen oder irgendwelchen (passiv) aggressiven Drunterkommentaren ist die eine Sache. Menschen generell abzusprechen sie könnten nicht diskutieren, weil sie nicht bereit sind dies unter ihrem Klarnamen zu tun eine vollkommen andere. Eine Argumentation ist nicht generell weniger wert oder unseriöser, weil sie von einem anonymen Account kommt. Sind die NSA-Leaks inkorrekt weil Edward Snowden als Absender "Citizenfour" verwendet hat? Oder ist Bitcoin weniger wert, weil bis heute kein Mensch weiß wer hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto steckt?

Die allgemeine Herabwürdigung von Pseudonymität beruht auf Ignoranz und (wie so oft) dem verkennen von eigenen Privilegien. Dein Job ist sicher und selbst im Falle eines Rauswurfes würden Dich viele anderen Firmen mit Kniefall einstellen? Deine politischen Ansichten sind allgemein gesellschaftlich akzeptiert? Du entsprichst allgemeingültigen gesellschaftlichen Standards und kannst alle Deine Probleme und Fragen aussprechen ohne irgendwelche Ängste vor irgendwem oder irgendwas? Schön für Dich! Aber verdammt nochmal geh nicht davon aus, dass es allen so geht!

Ich weiß von Menschen die auf Twitter anonym waren, weil sie über ihre Homosexualität sprechen wollten und das nicht ihre ganze Familie durch googeln herausfinden können sollte. Und welchen die einen Platz für politische Diskussionen suchen, ohne dabei ständig das Gefühl haben zu müssen, dass der konservative Chef alles davon mitlesen kann. Wir sind alle reale Menschen und dürfen verlangen als solche behandelt zu werden! Wie kann es eine Lösung seine jene die offensichtlich Probleme haben und thematisieren wollen aus der Diskussion auszuschließen? Wie verdreht muss das eigene Weltbild sein um Trolle mit sämtlichen Pseudonymtragenden in einen Topf zu werfen? Dieser fundamentlose Klarnamenfetischismus muss endlich ein Ende haben!

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Ich stehe online genauso zu meiner Meinung und meinen Ansichten wie ich es offline tue. Meine Aussage verändert sich nicht und ihr darf hier wie dort entgegnet werden. Ich beanspruche genauso wie ich es offline werde, auch online wie ein realer Mensch behandelt zu werden und aufgrund dessen was ich sage und tue, nicht aufgrund meines Namens oder meines Aussehens. Was tut es zur Sache ob ich behaupte Franz Müller zu heißen, oder nicht? Und wer beansprucht zu entscheiden ob echt oder nicht...

Onatcer

Onatcer

22, Vienna, Mensch des Planeten Erde, amateur photographer, blogger

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