Vassilakou kämpft gegen ihre eigene Partei

Ein paar Dinge vorweg die - im Gegensatz zu den Aussagen der Frau Vassilakou - mit Sicherheit korrekt sind: Ich habe auf Gemeindeebene Grün gewählt (Wien Anders im Bezirk, sollte es wen interessieren) und ich bin kein Vassilakou-Fan, war ich nie, werd ich wohl nie sein. Ich finde nicht, dass sie eine gute Repräsentantin ist. In Interviews etc. kommt sie meiner Meinung nach meist sehr schwach rüber und verzettelt sich ungemein oft ohne einen klaren Standpunkt zu vermitteln bzw. eindeutige Aussagen zu tätigen. In einem Interview hat sie es allerdings geschafft. In die Aussage, dass es bei Verlusten an der Zeit ist, dass die nächste Generation der Grünen übernimmt, kann man eigentlich nicht mehr viel anderes als eine Rücktrittsankündigung bei Verlusten hineininterpretieren.

Nun werden die Grünen wohl bei etwa -1% nach Auszählung der Wahlkarten liegen. Von Rücktritt redet bei den Grünen allerdings niemand. Momentan sind mir zweieinhalb Wege bekannt wie man sich formell aus der Schlinge ziehen könnte:

  1. Man argumentiert, dass man mehr absolute Stimmen hat als bei der letzten Wahl. Dies wird sich vielleicht ausgehen, allerdings ist es selbstverständlich völliger Humbug, da es keinen realen Wert hat.
  2. Man argumentiert, dass man nun mehr Bezirksvorsteher hat. Währing könnte/wird neben Neubau dazukommen. (gääähn)
  3. (das ist der halbe Punkt, also stellt euch statt "3." einfach vor, dass da "2 1/2." steht)
    Vassilakou hat am Wahlabend versucht zu argumentieren, dass man mandatsmäßig eventuell nicht verlieren könnte. Das ist allerdings nach aktuellem Stand höchst unwahrscheinlich.

All diese Varianten tragen eine gewisse Ironie in sich und wären ein Sinnbild für die Verzweiflung der Grünen. Vermutlich wird man dieser Frage in Zukunft einfach ausweichen und keine Begründung dafür etablieren.

Manch einer fragt sich vielleicht, wieso man es schlimm finden kann, wenn die Spitzenkandidatin der Partei die man gewählt hat nicht zurücktritt. Es hat weniger mit meiner persönlichen Haltung gegenüber Vassilakou zu tun - auch wenn das meiner negativen Stimmung natürlich positiv zugutekommt - sondern vielmehr mit den Grünen selbst, und deren Auftreten, sowie deren Glaubwürdigkeit. Ich habe bestimmt nicht wegen der Wiener Spitzenkandidatin Grün gewählt, sondern - zumindest mehr - wegen der Partei an sich (und wegen der immer noch beschissenen 5%-Hürde).

Was wird also jetzt passieren: Jedes mal wenn die Grünen jemand anderen - wenn auch zurecht - vorwerfen, er*sie würde leere Versprechungen machen oder gar Populismus betreiben, können sich die Beschuldigten - und das zurecht - wehren und sich auf Vassilakou und ihren Nicht-Rücktritt berufen. Damit spielen die Grünen genau jenen in die Hände, gegen die sie am meisten ankämpfen: Der FPÖ. Man darf sich zurecht die Frage stellen was eine Aussage eines*einer Grünpolitiker*in noch wert ist, sollte Vassilakou nun nicht den Rücktritt antreten.

Es ist keine persönliche Fehde gegen Frau Vassilakou, aber wer unüberlegte Aussagen tätigt, muss auch die Konsequenzen tragen. Nur so werden die Grünen auch zukünftig eine Chance haben, das Image der Vertrauenswürdigkeit - zumindest jener Teil der noch vorhanden ist - zumindest halbwegs aufrecht erhalten zu können, zu welchem ich ihnen zumindest einmal den Willen zugestehen will.

Frau Vassilakou, wenn ihnen was an ihrer Partei liegt, treten sie zurück. Wenn nicht, ist’s mir persönlich eigentlich auch egal.

Onatcer
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20, Mensch des Planeten Erde, amateur photographer, blogger, @soulbottles volunteer
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