Tod dem Dresscode

Wenn nur die quietschenden Schuhe, das durch den zu fest gezogenen Krawattenknoten verursachte Hecheln übertönen, während drei Meter weiter einer nervös an seinem Hemd herumzupft, weil es einfach wieder nicht die richtige Postion unter dem Sakko finden will, kann man getrost von einem von irgendeinem Anzugträger ausgesprochenem Dresscode ausgehen, welcher allgemein mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und leichter Genervtheit in der Gen Y entgegengenommen wird.

Sollte einem das Vergnügen widerfahren eine höhere Schule in dieser wundervollen Alpenrepublik abschließen zu “dürfen”, kann man sich psychisch schon im Vorhinein auf irgendeinen damiteinherkommenden Dresscode-Zwang einstellen. Solch ein besonderes Ereignis bedarf natürlich auch ganz besonderen textiluellen Anforderungen, um das sonst ach so tiefe Niveau durch die Farbe der Einheitlichkeit zu überdecken.

Selbstverständlich erscheint es allen Beteiligten vollkommen natürlich, denn warum sollte man nicht nach 5 Jahren - ich bin sogar undramatisch und rechne die Unterstufe nicht dazu - in denen man Tag ein Tag aus absolut ohne Zwang, absolut “normale” Kleidung getragen hat, plötzlich dazu gezwungen werden sich in irgendeine Kleidung zu zwängen, die von der Gesellschaft als “schön” und “achtsam” und “besonders” sowie “elitär“ angesehen wird… immerhin macht uns diese ja auch zu einem besseren Menschen.

Wir haben wirklich schon genug Freiheiten gefordert. Die Pressefreiheit war ein schwer zu verkraftendes Stück, welches einige Naivlinge nach wie vor als Errungenschaft bezeichnen. Mit den Folgen der Meinungsfreiheit kämpfen wir bis heute. Solch fatale Folgen waren allerdings voraussehbar, wer anderen Freiheiten zuspricht, kann nicht davon ausgehen, dass diese nicht schamlos ausgenutzt werden. Wir können es nicht akzeptieren, dass auch noch eine Freiheit bezüglich unserer eigenen Kleidung besteht!

Menschen können nicht darüber entscheiden, welche Kleidung sie als angemessen für den jeweiligen Anlass empfinden. Das ist anatomisch vollkommen unmöglich, das beweisen auch neueste homöopathische Studien! Wie sollen Menschen wissen, wie sie sich wohlfühlen - das ist doch ein Widerspruch in sich. Niemand kann Wohlempfinden selbst wahrnehmen, die Gesellschaft muss jedem mitteilen ob und wie sehr er sich wohlfühlen darf. Die einzig logische Konsequenz ist also, dass die Gesellschaft auch entscheidet, was jeder anzuziehen hat.

Die Entwicklung ist allgemein eine sehr unerfreuliche. Immer mehr geht man von den Traditionen weg und versucht neue Wege zu gehen. Jahrhunderte, Jahrtausende, Jahrmillionen erprobte tief in der Gesellschaft verankerte, unumstößliche Gesetzlichkeiten werden von diesen Generationen in Frage gestellt und missachtet. Es ist als würde man die Bibel in ihrem wortwörtlichem Laut in Frage stellen. Wir können solch gott- und gesellschaftsgegebenes Gut nicht auf diese Weise missachten! Darum appelliere ich an meine Altersgenossen (die Genossinnen lassen wir bewusst wie immer außen vor): Hört auf Dinge in Frage zu stellen, Unterwerfung ist nicht nur die einfachere, sondern auch die richtige Entscheidung. Seht nur was den Leuten passiert ist, die etwa einen Hitler hinterfragt haben. Kritische Betrachtungsweisen bringen uns nicht weiter und die Gesellschaft hat sich noch NIE geirrt.

Es gibt nur eine Möglichkeit dieses Ziel zu erreichen, liebe Genossen: Wir müssen diejenigen die sich nicht an Dresscodes halten dafür verurteilen. Wir müssen sie missachten und sie herabwürdigen. Todesstrafen sind mittlerweile leider Interventionen von Gutmenschen zum Opfer gefallen, die - bis dahin gesellschaftlich bestehende - Ordnungen missachtet haben und den zwangsweisen Tod bei Missachtung der - durch die Gesellschaft aufgestellten - Ordnungen, zu verhindern gewusst haben. Ein weiterer Rückschlag der menschlichen Rasse.

Stehen wir auf und lassen uns nicht von den Freiheiten der anderen zum Aufgeben zwingen. Erheben wir unsere Stimmen für die Pflichten, für die Ehre, für die Vernunft und gegen all diese Freiheiten, die uns von Verschwörungstheoretikern, als Privileg verkauft werden. Zwingen wir uns selbst nicht mehr die Freiheit zu haben für den Zwang einzustehen!

PS.: Unterstützt jetzt die Petition für die Einführung von österreichweit gleichen Schuluniformen für eine bessere Gesellschaft und für die Rettung unserer Jugend!!!

Titelbild: von Flazingo Photos auf Flickr

Onatcer
Onatcer

20, Mensch des Planeten Erde, amateur photographer, blogger, @soulbottles volunteer
Follow me on Twitter: @onatcer