Tod der falschen Mindestsicherung-Realität

Dass ich mir meine allwöchentliche Portion Verzweiflung am Sonntag um 22:00 beim Twitter-Bibelkreis zur Sendung "Im Zentrum" abhole, ist vielleicht der*dem ein oder anderen bekannt. Doch gestern war es wieder einer dieser Tage, an denen ich meine Fassungslosigkeit über die Inkompetenz die eigentlichen Probleme zu thematisieren, nicht mehr zurückhalten konnte. Es sind diese Tage an denen ich froh bin keine Vodoo-Puppen von Haimbuchner und Lopatka zu Hause zu haben, da ich sie sonst nach 23:00 sicher in drölfzig Einzelteile zerfetzt und in meinem gesamten Zimmer verteilt, wieder einsammeln müsste. Es ist nicht nur die Art wie diese Anzugträger, über diese überlebensnotwenigen Vorkehrung reden, es ist vor allem die Unfähigkeit mehr als 3 Jahre in die Zukunft blicken zu können, die mich jedes mal wieder an den Rand der Verzweiflung treibt. Es fühlt sich komisch an diese Offesichtlichkeiten aufzeigen zu müssen, aber wahrscheinlich will ich nur einen Beweis für mein Zukunfts-Ich schaffen, um seinem Ego nochmal einen "Ich hab's euch gesagt"-Boost zu verleihen (vllt. gar keine so gute Idee wenn ich darüber nachdenke)...

Immer mehr Menschen müssen Mindestsicherung beziehen und ob es gestern die faulen Türken und Serben waren oder heute die feigen Syrer sind, wenn wir Basti und Bumsti darum bitten, dass sie ihre ach so schönen Kindergarten-Bilder-Krixelein bitte kurz nicht in unsere Gesichter pressen könnten, bleiben am Ende einfach nur immer weniger Arbeitsplätze übrig. Und das ist auch verdammt logisch, denn wir haben ganze Branchen die sich ausschließlich damit beschäftigen Dinge (tolles Wort!) zu automatisieren. Ja wir automatisieren jetzt sogar schon komplexe Denkprozesse, anstatt nur trivialer Arbeiten. In der Informatik hat dieses Phänomen ihren derzeitigen Meister gefunden, diese Branche beschäftigt sich ständig nur damit wie sie sich selbst obsolet und weiter automatisieren kann. Manch eine*r würde sagen: Pervers! Aber es ist wichtig, dass Automatisierung endlich als Chance und nicht mehr als Bedrohung verstanden wird. Diese Forderung richtet sich nicht primär an diejenigen die dadurch ihren Job verlieren werden (von denen ich hier vielleicht noch ein paar erreiche) sondern an jene die es zulassen, dass Menschen in existentielle Schwierigkeiten geraten, weil nicht verstanden wird, dass hier ein grundsätzlicher Kurswechsel notwendig ist (und die das hier sowieso nie erreicht... wozu schreib ich nochmal? Aja Selbsttherapie).

Selbst wenn man Automatisierung zwanghaft als etwas schlechtes betrachten wollen würde: Wie will man sie stoppen? Ein weltweiter Zusammenschluss der exekutivunterstützt Fortschritt verhindert und niederschlägt? Und außerdem: Warum Menschen wieder in Jobs schicken die sie ohnehin nicht ausüben wollen? Und die zum Großteil vermutlich durch Maschinen akkurater ausgeübt werden? (Jaja eure Arbeit bleibt natürlich menschlicher) Das alles scheint allen so klar zu sein (zumindest in meinem Umfeld) und doch wird nichts dafür getan dieses Problem zu lösen. Wir schlittern hier auf eines der größten Probleme unserer Zeit zu und nichts wird dagegen getan. Sollten wir es schaffen in den nächsten wenigen Jahrzehnten unsere Erde doch irgendwie zu retten (Klimaerwärmungs-mäßig) und wir es auch (zugegeneben unwahrscheinlicherweise) schaffen keinen atomaren Krieg auszulösen, schlittern wir langsam aber sicher in eine Krise des Kapitalismus die vielen Menschen ein anständiges Leben nehmen wird. Wir haben jetzt schon genügend Probleme mit dem Kapitalismus, lasst uns nicht noch ein neues schaffen, welches wir jetzt noch verhindern können. Reden wir über Alternativen. Reden wir über Konzepte wie das Bedingungslose Grundeinkommen. Reden wir über Strategien wie wir mit dieser Entwicklung umgehen. Und vor allem: Werden wir endlich wach und begreifen dieses Problem und sehen es als Chance!

Onatcer
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20, Mensch des Planeten Erde, amateur photographer, blogger, @soulbottles volunteer
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