Lesen, Schreiben, Programmieren...

Noch 2013 war das Internet "für uns alle Neuland", heute schmeißen Politiker*innen mit der - verdächtig oberflächlich - gehaltenen "Digitalisierung" gerade nur so um sich! Ein undefiniertes "Alles" wird sich dadurch verändern. Nach konkreten Maßnahmen die uns auf diese allesverändernde Digitalisierung vorbereiten sollen, sucht eins allerdings vergebens. Wie wäre es zum Beispiel damit: Programmieren in der Unterstufe. Na? Doch bevor ich jetzt ein Jobangebot der IT-Lobby bekomme: Mein Interesse eure Gewinne zu steigern hält sich freundlich gesagt sehr in Grenzen, dass ihr davon auch profitiert ist derzeit leider Part-of-the-Game.

Wenn es also nicht um Jobs geht, worum geht es dann? So ungern ich oben genannten Politiker*innen recht gebe: Die Digitalisierung wird alles verändern, wobei die Zukunftsform hier fast schon Realitätsverweigerung gleicht. Die Informatik dringt derzeit in alle nur erdenklichen Lebensbereiche vor. Kaum etwas funktioniert mehr ohne Software, ein plötzlicher vollkommener Wegfall von Software ist vielleicht eine nette Romanidee, mehr aber auch nicht. Damit sind diese mystisch aussehenden Textzeilen auf Bildschirmen ein elementarer Bestandteil und Grundlage unserer derzeitigen Gesellschaft.

Aber es ist nicht nur die Wichtigkeit, es ist noch eine andere besondere Eigenschaft von Software, die ich für wichtig genug halte nochmal extra herauszustreichen, bevor ich endlich zum eigentlichen Punkt komme. Software braucht keine massiven Maschinen, riesige Produktionsanlagen, komplexe Kühlanlagen oder andere außerordentlichen Ressourcen. Sie ist konzeptionierbar, schreibbar und ausführbar auf Geräten, die die meisten Menschen in Österreich zu Hause haben. Und sie ist vor allem auch eines: kontrollierbar. Dass möglichst viele Menschen in einer Gesellschaft verstehen und kontrollieren können wie grundlegende Systeme - die den Alltag von so vielen bestimmen - funktionieren kann nur im Interesse eben solcher sein.

Warum also jetzt programmieren? Tut es nicht auch der "Informatikunterricht". Ganz ehrlich: Nein. Word, Excel und Facebook bedienen zu können ist sinnvoll, aber auch etwas anderes grundlegend anderes als Programmcode zu schreiben und verstehen. Es gibt einige Grundelemente der Programmierung, mit denen auch hochtechnische Systeme plötzlich zumindest etwas greifbarer und realer werden. Für viele Außenstehende - so zumindest mein Gefühl - hat das ganze Thema etwas sehr abschreckendes, ja vielleicht sogar ein bisschen was von Magie. Wie bei allem anderen auch gibt es natürlich den spezialisierten Bereich, wo alles sehr komplex wird. Aber in Mathe wird in der Unterstufe ja auch nicht die Herleitung von komplexen Zahlen gelehrt (gibt es das? ich weiß nicht, bitte nicht schlagen, ich will doch auch nur meine Mathe-LVAs überleben - ich schweife ab). Für's erste wird der Informatik wohl sowieso nur ein Platz neben Geografie, Biologie, Physik und ähnlichem bleiben. Und ich denke den rechtfertigt die Rolle der Informatik in unserer heutigen Welt allemal.

Das Ganze kommt natürlich nicht ohne Probleme. Gerade beim Programmieren kann sehr schnell Verzweiflung aufkommen und auch wenn es für viele Programmierer*innen ein unfassbares Gefühl der Freude ist ein Problem folglich zu lösen, ist das anfangs natürlich sehr anstrengend. Darum ist eine verantwortungsvolle Heranführung an die Thematik entscheidend! Wenn ein Programm nach 5 Versuchen noch immer nicht funktioniert, weil ich irgendwo ein Semikolon vergessen habe, möchte ich noch heute meinen Monitor aus dem Fenster werfen. Doch die Möglichkeiten der Lehre sind da und sie werden besser. Was keinesfalls geschehen darf, sind Lehrer*innen die gerade selbst noch mit der ganzen Thematik hadern ins Klassenzimmer zu stellen, das sorgt nur für Frustration auf allen Seiten.

Aber Programmieren interessiert mich einfach nicht! Das ist ja auch vollkommen okay, unsere Gesellschaft ist zum Glück so organisiert, dass wir Arbeitsteilung betreiben, nicht alle müssen alles können, tun oder toll finden. Es geht mir darum eine grundlegende Bildung in diesem Bereich zu schaffen. Eine Bildung wie es sie für Mathematik, Sprachen, Biologie, Geografie, Physik etc. schon gibt. Die meisten interessiert eines davon gar nicht, trotzdem ist es wichtig, dass alle darin eine Grundbildung haben. Grundlagen einer Gesellschaft dürfen nicht einigen wenigen überlassen werden.

So jetzt hab ich glaub ich wirklich alles gesagt, ich lass euch nur noch ein paar Links da solltet ihr jetzt plötzlich das starke Verlangen danach haben euch auch mal ein bisschen mit der Programmierung zu beschäftigen. Es ist schwer hier allgemeinen Rat zu geben, da alle unterschiedlich lernen und es viele Möglichkeiten gibt, aber ich versuch mal ein paar mögliche zu sammeln:

Alles braucht einen Startpunkt, doch ich denke der wichtigste Tipp ist sich frühestmöglich ein Ziel zu stecken. Eine Website die du schreiben willst, eine App die etwas ganz spezielles tut, einfach irgendein lustiges oder sinnvolles Endresultat. Es geht nicht darum ob du das dann perfekt fertig machst, oder sofort zur nächsten Idee springst. Doch immer etwas machen zu wollen, etwas Neues ausprobieren zu wollen, eine neue Idee zu haben, hält mich am Lernen, hält mich dazu an irgendwo mal wieder tiefer hineinzuschauen, ein bisschen besser zu verstehen wieso etwas funktioniert wie etwas funktioniert. Die Technologien kommen dann ganz von alleine (oder ihr fragt jemanden aus dem Bereich, womit das am besten möglich wäre - meine DMs sind auch offen).

So das war's jetzt wirklich, wenn ihr noch Links bzgl. guten ersten Anlaufstellen für's programmieren habt, immer her damit!

Onatcer

Onatcer

22, Vienna, Mensch des Planeten Erde, amateur photographer, blogger

Read More