Integrationsunwilligen-Sanktionen: Zu Kurz-Gedacht

Herr Kurz lässt dieses Wochenende duchklingen, er sei für mehr Rechte für LehrerInnen was “Integrationsunwillige” SchülerInnen angeht. Diese sollen somit zu “Diensten am Schulstandort” verpflichtet werden können. Soweit die Fakten.

Die Illusion der Verbesserung durch Bestrafung

Schade, dass offensichtlich ein wesentlicher Punkt noch nicht gelernt wurde: Bestrafungen führen nicht zu echten Verbesserungen. Integration ist ein Prozess. Ein Prozess der beiderseitig stattfindet. Ein Prozess der sehr individuell ist. Und vor allem ein Prozess, von dem die Beteiligten überzeugt sein müssen. Herr Kurz, glauben sie tatsächlich, dass SchülerInnen die “Integration verweigern” (wo auch immer hierbei die Grenzen gezogen werden), nachdem sie 5 Wochen das Stiegenhaus geschrubbt haben plötzlich denken: “Oh ja. Also die österreichische Mentalität ist eigentlich eh voll toll und ich werde jetzt nur noch nach den “österreichischen Werten” (was auch immer das wiederum sein soll) leben”? Diese Einstellung wäre eine reine Realitätsverweigerung und auch nicht wünschenswert. Bestrafungen werden abgesessen. Wenn man von etwas überzeugt ist, lässt man sich durch Bestrafungen nicht langfristig dadurch abbringen und schon gar nicht ändert man seine Ansichten deswegen.

Gut möglich, dass dies zu einer kurzfristigen Verbesserung führt. Gut möglich, dass diese SchülerInnen sich dann aufgrund der Angst vor weiteren Strafen, stärker zurückhalten und nicht mehr als so unangenehm empfunden werden. Ruhige SchülerInnen die keine Nachfragen stellen. Damit hatten noch die wenigsten LehrerInnen ihre Probleme. Doch es ist nur ein Spiel auf Zeit. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich der Unmut aufgrund der Unterdrückung, später in noch extremerer Form auswirken wird. Womit wir wieder den Bogen zurückgespannt hätten zur Radikalisierung und zu den Paris Attentaten.

Die Politik steht unter Druck. PolitikerInnen in jedem Land. Viele haben irgendwo im Hinterkopf, dass solche schrecklichen Ereignisse auch im eigenen Land passieren können, und wenige sind wirklich von den Integrationsmaßnahmen des eigenen Landes überzeugt. Darunter gibt es aber natürlich nicht nur so irrsinnige Vorschläge, wie Bestrafungen die unser Schulsystem gefühlt vom Mittelalter in die Steinzeit zurückversetzen könnten. Über Maßnahmen wie beispielsweise schnellere Handlungsmöglichkeiten für LehrerInnen, wenn die Radikalisierung von SchülernInnen vermutet wird oder auch mehr Macht für LehrerInnen, wenn es um die Aufforderungen der Eltern zu einem Gespräch geht, kann man ja durchaus diskutieren.

Der Ansatz grundsätzlich geht nicht nur in die falsche Richtung, sondern vermittelt auch einen ganz schlechten öffentlichen Eindruck: Die “AusländerInnen” sind schuld. Solche eine Maßnahme alleine zur Diskussion zu stellen ist nicht zielführend. Öfter scheitert es mE an der Akzeptanz der “Einheimischen” (ich möchte mich selbst kreuzigen für diese Wörter), die einfach nicht bereit sind andere zu integrieren und ihnen mit genauso viel Respekt zu begegnen, wie es jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft verdient hat. Aber nochmal: Ein beidseitiger Prozess.

Ach und bitte: Hören wir auch die Integrationsdebatte mit der Sexismusdebatte zu vermischen. Das sind zwei verschiedene Probleme. Eins nach dem anderen.

PS.: Wer noch mehr zu dem Thema wissen will und evtl. auch eine etwas qualifiziertere Meinung dazu hören will, darf gerne beim bei Daniel Landau, einem der Initiatoren von jedesK!ND vorbeischauen, der in seinem neuen Blog auch darüber geschrieben hat. http://daniellandau.at/strafen/

Bild: CC-BY EnergieAgentur.NRW

Onatcer
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