FischundFertig - Baba FischundFleisch

“FischundFleisch war von Anfang an ein breit kritisiertes Medien-Startup, welches sich im Laufe der Zeit immer mal wieder ein paar “Hoppalas” erlaubte. Es positioniert sich selbst als “Meinungsplattform”, was nicht viel mehr heißen soll, als dass dort Leute ihre Texte veröffentlichen können. Der Vorteil ist offensichtlich: Eine Community und größere Reichweite. Auch ich habe bisher meine Texte zusätzlich zum Blog, auf der Plattform publiziert. Damit ist jetzt erstmal Schluss.

In den vergangenen Tagen gab es gleich zwei weitere dieser “Hoppalas”. Nachdem die Plattform schon des Öfteren aufgrund ihres Contents, der oftmals Verschwörungstheorien beinhaltet und durch Meldungen auffällt die klar dem sehr rechten Spektrum zuzuordnen sind, kritisiert wurde, wurde auch dem FPÖ-Chef eine Bühne geboten und seine Beiträge zu veröffentlichen. Auch wurde der Beitrag - mit Geld - auf Facebook beworben. Dies scheint bei allen Spitzenkandidaten der Wiener Landtagswahl so der Fall zu sein. Wer den FischundFleisch-Standpunkt zu “Meinungsfreiheit” kennt, den sollte dieses Vorgehen aber auch nicht weiter überraschen.

Das zweite Ereignis war in meinen Augen um einiges… sagen wir spektakulärer. Dieser mittlerweile gelöschte, aber dank der Screenshot-Funktion für die Ewigkeit festgehaltene Artikel der Gründerin Silvia Jelincic, spiegelt eine in meinen Augen einfach nur zu verachtende Meinung wieder.

Wenn sogar die Idetitären - diese rechtsradikale junge Organisation - den Artikel feiern, sollte man sich ernsthaft Gedanken darüber machen, was man da gerade für einen Müll geschrieben hat.
Für mich besonders prekär: Sie bezeichnet sich in dem Artikel als Chefredakteurin von FischundFleisch.

Warum finde ich das so schlimm? Ein Medium hat im Normalfall eine Blattlinie, sei diese offiziell oder inoffiziell. Wenn der*die Chefredakteur*in einen Artikel schreibt, kann man davon ausgehen, dass die Meinung des - nennen wir ihn einfach mal - Leitartikels, ungefähr der Meinung der Redaktion und damit des Mediums entspricht. Bei FischundFleisch kann davon nicht die Rede sein. Wenn sich Frau Jelincic als Chefredakteurin ihrer Meinungsplattform bezeichnet, muss man sich schon die Frage stellen ob sie ihr eigenes Konzept verstanden hat.

Dies ist nun also der Auslöser für mich der Plattform den Rücken zu kehren. Das Fundament für diese Entscheidung ist alerdings eine Sammlung aus Gründen, denn die Plattform hat so einige Macken. Beginnen wir mit dem bereits vorher angesprochenen Problem der Meinungsfreiheit.

Erarbeiten Sie sich wieder einmal eine Meinung. CC-BY: Transformer18 https://www.flickr.com/photos/71267357@N06/14873567602/in/photostream/

Ich verstehe den Spagat den man machen muss (oder eher will), wenn man eine Plattform für Blogger schaffen will, die weitgehend ohne Zensur auskommen solll, aber auch das Niveau des Contents passen soll. Doch FischundFleisch geht dieses Problem wohl in der inkonsequentesten Art und Weise an. Es gibt einmal einen Top Feed, der von den Betreibern gewartet wird. Was genau da hineinkommt ist nicht ersichtlich, aber eigentlich scheinbar fast alles. Zusätzlich werden beinahe alle Beiträge über die Social Media Kanäle der Plattform geteilt (zumindest über Twitter). Dadurch entsteht eine sehr starke Assoziation zwischen der Plattform und den Meinungen der User. Bewertungen der Artikel haben - zumindest soweit ich weiß - keinen Einfluss auf irgendwelche Platzierungen. Der einzig praktikable Weg Artikel zu finden ist auch durch eben diesen “Top Feed”, denn Beiträgen von Usern denen man folgt sind nur eher umständlich erreichbar.

Die nächste sehr eigenartige Angewohnheit der Plattform ist, dass man in Experten und Blogger unterteilt. Ich möchte übrigens an dieser Stelle anmerken, dass HC Strache in diesem Kontext ein “Experte” ist, was an Absurdität eigentlich gar nicht zu überbieten ist. Als hätten wir nicht schon genug Probleme mit der Zwei-Klassen-Gesellschaft. Wieso sind nicht alle gleich? Wieso sind einige besser als andere? Vor allem: Wenn man sich als Meinungsplattform positioniert, heißt das dann, dass einige Meinungen besser sind als andere? Was ja wieder dem (nicht immer eingehaltenen) Prinzip entspricht, dass man bei FischundFleisch nahezu alles veröffentlichen kann.

Die Plattform hat einen Fokus auf Content (was offensichtlich ja jetzt auch nicht sooo toll geklappt hat) und nicht auf Technik. Das merkt man wenn man sich einloggt, auf einen Artikel klickt, einen Kommentar abschicken will, irgendetwas sucht, ja eigentlich, wenn man irgendetwas auf der Plattform machen will. Es ist eine Performance, UI und vor allem UX-Katastrophe. Das war von Anfang an so und hat sich seitdem kaum geändert.

Kommen wir nochmal kurz darauf zurück, warum ich angefangen habe auch auf der Plattform zu publizieren. Ganz klar: Es ging um die Reichweite. Wenn man etwas schreibt, will man, dass es möglichst viele Leute lesen und sich im Idealfall konstruktive Diskussionen daraus ergeben. Ich habe das SEO-Problem beiseite geschoben und angefangen Artikel einfach von meinem Blog rüberzukopieren. Es war nicht viel Aufwand (wenn auch ein bisschen nervenaufreibend, aufgrund der technischen Begebenheiten der Plattform) und ein paar mehr Leute haben den Artikel gelesen.

Liebesbrief

Warum ziehe ich also jetzt den Schlussstrich? Richtig sympathisch war mir die Plattform ehrlich gesagt nie. Die Kommentare waren teils sehr eigenartig und die sonstigen Beiträge auf der Plattform (mit Ausnahme einiger wenigen Blogger*innen) nicht lesenswert. Wenn sich jetzt auch noch die Gründerin als Chefredakteurin bezeichnet und rechte Texte publiziert ist das für mich Begründung genug dem ganzen Projekt den Rücken zu kehren. Da schwindet einfach der Vorteil der Reichweite, v.a. wenn man bedenkt, dass HC Strache auf dieser Plattform etwas “besseres” ist als ich. Das hält mein Ego nicht aus, sorry.

Woran ich allerdings nach wie vor glaube, ist das Konzept von Blogging-Plattformen. Das mag sich etwas komisch anhören, wenn man bedenkt, das ich generell für ein freies und weitestgehend dezentralisiertes Internet einstehe, aber es ist wichtig Bloggern die Möglichkeit zu geben eine Zielgruppe zu finden, und das ist oftmals wirklich schwer. Ich selbst habe mit dem Bloggen auf einer Blogging-Plattform begonnen (Newsgrape - die gibt’s aber mittlerweile nicht mehr) und ich sehe auch Medium als großartigen Service an. Was wir idealerweise brauchen ist ein Medium für deutschsprachigen Content, sprich: technisch und UX-mäßig auf einem hohen Niveau und die Plattform hat sich als Plattform zu verstehen, die einfach nur den Content ausliefert und nicht allzuviel in diesen Prozess eingreift sowie eine Community-Eigendynamik entwickeln lässt.

Viele haben die Plattform von Anfang an kritisiert, ich habe es damals aus reinem Eigennutzen probiert. Ich bereue nicht es probiert zu haben. Ich schließe auch nicht aus, dass ich jemals auf die Plattform zurückkehre, sollten sich einige Dinge ändern (auch wenn ich das stark bezweifle), aber jetzt hier und heute ist Schluss”, schrieb er während er die Posts von der Plattform zu entfernen versuchte.

Onatcer
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20, Mensch des Planeten Erde, amateur photographer, blogger, @soulbottles volunteer
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