Es ist vorbei und das ist kein Witz

Liebe*r Kabarettist*in,

wir haben ein Problem. Du und ich. Du der*die da auf der Bühne stehst und mit Witzen dein Geld verdienst und ich, der es oft so gar nicht witzig findet. Wir zwei, wir sind einfach so verschieden. Ich weiß nicht wie das zwischen uns noch funktionieren soll.

Wir hatten schon immer eine sehr angespannte Beziehung. Ja oft schon wollte der Funken nicht so richtig überspringen und für ein Feuerwerk des Gelächters sorgen. Oft schon bin ich nur emotionslos in dieser wenige Stunden andauernden Kurzbeziehung dahingedeiht. Wenn die Chemie nicht stimmt helfen all die positiv geladenen Mitmenschen nicht, die rund um einen - so scheint es - zwanghaft versuchen einen in den Bann des Gelächters zu ziehen. Es gleicht fast dem Gefühl, des Versuchs einer gesellschaftlich motivierten Zwangsverheiratung.

Ich kann akzeptieren, dass unsere Redeanteile sehr unterschiedliche verteilt sind. Auch ich rede gerne viel und spreche mir gerne mein Leid von der Seele, aber dieses Eingeständnis bin ich durchaus bereit zu machen, um unsere Beziehung zu festigen. Ich höre dir aufmerksam zu, während du sprichst, doch ich kann mich oft so gar nicht mit dem Gesagten identifizieren. Vielleicht denke ich zu viel nach, wahrscheinlich liegt es an mir, vielleicht habe ich mich einfach zu sehr verändert.

Es gibt ja doch sehr unterschiedliche deiner Gleichgesinnten, die versuchen durch verschiedenste Bühnenlebensphilosophien ihren Beziehungen die nötige Würze zu verleihen. Aber die sind mir gerade egal. Mir geht es jetzt um dich, ja mit dir rede ich ganz konkret, denn du hast mich besonders verletzt. Ich ließ mich blenden, von deinen intellektuell scheinenden Auftreten. Dein Ruf eilt dir voraus. Der Volksmund spricht von tiefgehenden Witzen und keinem oberflächlichen Programm, dessen Pointen man mit einem Swipe nach links aus der Welt schaffen will.

Doch es tut noch so lange nachher weh. Denn mir will es nicht aus dem Kopf, dass du schon wieder das aktuelle Weltgeschehen mit deinen falschen Witzen betrogen hast. Schon wieder hast du Salz in offene Wunden gestreut, weil du vergessen hast wie frisch die Wunde noch ist. Oder hast du es einfach ignoriert, dich blind gestellt und deine Gier unbewusst dem Verstand vorgezogen? Dir ist es natürlich egal, du hättest wohl auch Alkohol genommen, hätte es dem Publikum besser gefallen, ich verstehe deine Priorität, aber ich kann mich einfach so gar nicht mit ihr identifizieren.

Ich möchte dir ja zugestehen, dass du es nicht böse gemeint hast, dass es eben ein Ausrutscher war und du einfach nicht genügend darüber nachgedacht hast, doch leider war es nicht der erste und gewiss wird es nicht der letzte sein. Dich und mich, uns treiben unterschiedliche Gefühle, Gedanken und Ideale. Ich werde nicht um dich trauern, aber es macht mich traurig wie unreflektiert sich deine Errungenschaften dir hingeben.

Ich finde es nicht gut, dass du das tust. Ich hätte Angst davor den Klimawandel herunterzuspielen und falsche Statistiken dazu zu zitieren, während ein menschengefüllter Saal schon deinem Charme erlegen ist und wie in Trance keine Sekunde mehr mit der Hinterfragung deiner Witze beschäftigt zu seien scheint. Aber gut du warst schon immer der*die Mutigere von uns beiden. Es sei doch nur ein Witz gewesen, kann ich als Ausrede nicht mehr hören. Ständig kommst du mit einer anderen Ausrede daher und nie sagst du worum es dir wirklich geht.

Ja ich finde es auch nicht okay, wenn du immer so diese Trennungen betreibst. Es macht mich traurig, wenn Aussagen wie “Männer sind halt so” unreflektiert im Raum stehen gelassen werden. Du gibst einem in deinem Redeschwall kaum die Möglichkeit darüber nachzudenken, oder gar etwas zu sagen. Nenn mich überempfindlich, nenn ich Sensibelchen, aber so denke ich nunmal über dich.

Wir haben uns einfach auseinandergelebt, du und ich. Das ist okay, das passiert. Vielleicht sollten wir einfach eine Pause einlegen, wir zwei. Neues probieren, uns von anderen bezaubern, amüsieren und enttäuschen lassen. Und wer weiß, vielleicht, nach einiger Zeit, finden wir dann wieder zusammen und können es erneut probieren. Doch nun ist es erstmal Zeit einen Schlusstrich zu ziehen.

Servus, Grieß Di und Baba,
Gregor

Onatcer
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20, Mensch des Planeten Erde, amateur photographer, blogger, @soulbottles volunteer
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