Apple und das Marketing - CSR in Perfektion

Wäre Apple keine Technikfirma wäre es ein Marketingkonzern. Es ist beachtlich mit welcher Konstanz der Technikgigant seine Kunden über den Tisch zieht, ohne auch nur einen Kunden mit der Wimper zucken zu lassen. Ja man verlangt als Apple-User ja fast danach, man will über den Tisch gezogen werden, man will von Apple hören, was man an diesem Produkt so toll finden soll. Es besteht das dringende Verlangen danach, dieses weltrevolutionierende Produkt in der realitätsfernsten, konstruierteste, fröhlichsten Situation, die überhaupt möglich ist, erstmals zu erblicken und all die absurden Anwendungszenarien in einem Video verpackt, in sich hineinzusaugen. Es gibt kaum eine - wenn überhaupt - Firma die es in dieser Weise schafft, die Nutzer von sich zu begeistern.

Und obwohl vielen der Apple-User diese wunderschön trügerische, ja fast schon verbrecherische Art bewusst ist, scheint es niemanden zu stören. Es gehört zu der Marke Apple dazu. Überglückliche Familien, Jony Ives Aluminium-Fetischismus ausgelebt vor einer weißen Wand, gewollt witzangehauchte Produktbezeichnungen und Sci-Fi-artige Videoannouncements, sind genauso Teil der Marke Apple geworden wie die Qualität von Apple-Produkten und vor allem die Einzigartigkeit dieses Ökosystems mit einer in Ansätzen unkomplizierten Kompatibilität und Verlässlichkeit die kein anderer Anbieter bisher zu leisten im Stande war (Ich lehn mich mal aus dem Fenster und hoffe, dass mich kein Google-Fanboy von hinten tritt). Was der tatsächliche Grund für den Kauf dieser preislich teils weit über dem Marktschnitt angesiedelten Produkten ist, lässt sich wohl schwer verallgemeinernd sagen. Für viele ist bestimmt primär der Faktor "der Marke Apple" entscheidend. Genug werden sich von den Marketingmaßnahmen überzeugen lassen (Was genaugenommen zur ersten Variante gehört, aber wer wird denn da so kleinlich sein). Aber dennoch: Haben Sie (ja ich sieze jetzt - ich sieze und duze wann ich will und wo ich will) schon einen Mac-User gesehen der freiwillig wieder auf Windows zurückgegangen ist? Ich könnte mich an keinen erinnern. Also irgendwas muss Apple auch bei seinen Produkten richtig machen.

Überglücklich Familien, Jony Ives Aluminium-Fetischismus ausgelebt vor einer weißen Wand, gewollt witzangehauchte Produktbezeichnungen und Si-Fi-artige Videoannouncements...

Doch um die grundsätzliche Apple-Philosophie soll es hier eigentlich nicht primär gehen. Die gestrige "Spring Forward" Keynote öffnete mit einer unerwarteten Ankündigung. ResearchKit. Klingt technisch. Ist es auch. Idealerweise wird dies aber jetzt nicht allzu technisch. Grundsätzlich sprechen wir hier von einem "Softwarewerkzeug", welches bei der Entwicklung von Apps für (medizinische) Studien helfen soll. Durch Sensoren und Techniken in den Apple-Devices soll die Datensammlung stark vereinfacht werden, da der Aufwand des Besuches einer externen Einrichtung nicht mehr nötig ist. Auf ein Video bestückt mit überzeugten Doktoren und fröhlichen Menschen, folgte langer Applaus des Publikums. Wirklich langer Applaus - sogar für Apple Verhätnisse. Abermalige Begeisterungsbekundungen folgten auf die Ankündigung der Opensourceung™ von ResearchKit, von all jenen JournalistInnen, die wussten was Open Source bedeutet. Durch diesen Schritt schafft Apple die Grundlage für ResearchKit auf praktisch allen Plattformen.

Was macht diese Ankündigung nun zu so etwas Besonderem, dass ich mich dazu bequemt habe um 8 Uhr in der Früh auf meinem Schulweg anzufangen diesen Text in mein Smartphone zu klopfen? Es war eine bemerkenswerte CSR Aktion. Corporate Social Responsibility, ist jenes Marketing-Mittel, welches momentan fast alle versuchen zu nutzen, allerdings die wenigsten tatsächlich richtig umsetzen. Diese Form der Öffentlichkeitsarbeit zielt eigentlich darauf ab, "die Welt zu verbessern" was meist im ökologischen Umfeld passiert. Es lässt sich allerdings mit ziemlicher Sicherheit feststellen, dass die wenigsten CSR Aktionen dadurch motiviert sind einen tatsächlichen Impact auf die Welt zu haben, als vielmehr plump dadurch eine Imageaufwertung des Unternehmens herbeizuführen.

Apple, wohlgemerkt (nochmal) eine Technikfirma, hat es nun geschafft dieses Mittel in einer beeindruckend überzeugenden Weise einzusetzen. Mir kam während der Präsentation nicht einmal der Gedanke, es handle sich um reines Marketing. Die Maßnahme wurde mit einer Autentizität rübergebracht, man hatte fast das Gefühl sämtliche Mitarbeiter der Firma würden gerade physikalisch hinter der Bühne stehen, um deren Zustimmung kundzutun. Beeindruckend und gleichzeitig auch erschreckend, wie gewollt sich diese Firma plazieren kann, ohne dass darüber nachgedacht wird was hier gerade passiert. Natürlich geht es Apple als Firma nicht primär um irgendwelche Studien oder die Weltverbesserung . Sicherlich einzelnen Mitarbeitern, vielleicht auch welchen aus der Führungsebene schon, aber nichts desto trotz ist es eine Marketing-Maßnahme. Die wenigsten Firmen stehen wirklich hinter der CSR Strategie die sie vertreten, für die meisten sind es einfache Marketingaktionen, doch oft schaffen es eben diese Firmen nicht den richtigen Eindruck nach außen zu vermitteln und wirken dadurch unauthentisch. Apple hat gestern eine Musterpräsentation hingelegt, die als Lehrvorlage für sämtliche CSR-Aktionen künftiger Firmen dienen sollte.

Titelbild von Mike Deerkoski auf Flickr

Onatcer
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20, Mensch des Planeten Erde, amateur photographer, blogger, @soulbottles volunteer
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